Das Stundengebet

Das Chorgebet ist das gemeinsame Gebet unserer Gemeinschaft. Benedikt hat es in seiner Regel sehr ausführlich geregelt (Kapitel 8-20, 47, 50, 52). Es ist eine Form des Gebetes neben vielen anderen; eine Form, die für viele sicher ungewohnt ist. Deshalb hier eine kurze Hinführung zu dieser uralten Gebetsform, die vor allem auf den Psalmen des Alten Testaments aufbaut und die ihre Ursprünge in der jüdischen Synagoge wie im frühen Mönchtum hat.

Das Stundengebet ist eine eigentümliche Art zu beten. Es kommt nicht von innen heraus, sondern man steigt in es hinein. Es ist da, zu bestimmten Zeiten, Stunden und Horen, wie die Alten sagten. Wie Oasen, die da sind, um die Wüste durchqueren zu können.

Stundengebet ist Zeit haben für Gott, für die Menschen, für die Brüder und Schwestern, die mit dir beten, für dich selbst. Eigentlich ist es Zeit-verschenken. Es ist zunächst ganz einfach: Dasein vor Gott zusammen mit anderen. Das Stundengebet ist ein Wir-Gebet.

Zu Ihrer Orientierung: Die Gebetszeiten, die wir in der Kirche feiern, werden im lateinischen Choral gesungen, die Gebetszeiten im Oratorium in deutscher Sprache.

Die Vigilien

(lat. vigilia: Nachtwachen)

Bezeichnung für das Gebet in der Nacht, das schon im Alten Testament (Ps 119.62) verrichtet wurde. So stellte sich die alte Kirche (Lk 6.12, Mt 25.11-13) und insbesondere das Mönchtum in diese alttestament-liche Tradition. Die Vigilien endeten bei Sonnen-aufgang mit dem Lobpreis.

Diesen Lobpreis nannte man Matutin und später entwickelten sich als selbstständiger Bestandteil daraus die Laudes. Seit dem 12. Jh. verlegte man die Vigilien auf die frühen Morgenstunden oder rückte sie auf die Zeit vor Mitternacht hinauf. Da-raus entstand im späten Mittelalter der Brauch, die Vigilien schon am Vorabend zu halten. Daneben bezeichnen Vigilien Gebetsnächte, die wachend verbracht wurden, z.B. vor Ostern. So ist die liturgische Feier der Osternacht die älteste und festlichste Vigil, der andere Festvigilien nachgebildet wurden.

Die Gestalt dieses Stundengebets in Himmerod umfasst heute an Werktagen zwei Nokturnen (lat. nocturnus = nächtlich), aufgeteilt in erste und zweite Woche mit je drei Psalmen und entsprechenden Lesungen. Jedes Fest und Hochfest hat eigene Psalmen und Lesungen.

Voraus geht immer das Invitatorium (Gebetseinladung) “Herr öffne meine Lippen, damit mein Mund dein Lob verkünde” mit Ps. 95. Die Einteilung in Nokturnen entspricht dem römischen Rhythmus der Nachtwache, die alle drei Stunden wechselte.

An Sonn- und Feiertagen mit feierlichen Antiphonen und Responsorien ergänzt eine dritte Nocturn die Vigilien und schließt mit dem „Te Deum“ und dem Evangelium des Tages.

Laudes

(lat. laudes matutinae: das Morgenlob)

Die Laudes bilden mit der Vesper die Angelpunkte des Stundengebetes, nach alter Überlieferung gedenken sie auch der Auferstehung Christi. Die Laudes stellen das eigentliche Morgengebet dar. Bei der Neuregelung des Stundengebetes (1971) wurde die Prim (zwischen Vigil und Laudes), um eine Doppelung des Morgenlobs zu vermeiden, aufgegeben.

Die Laudes besteht in Himmerod aus zwei Psalmen und dem Canticum des alten Testamentes, das wiederum im Winter und Sommer wechselt, darauf täglich alternierend ein Laudate (Lob)-Psalm (148-150), Lesung, Wechselgesang (Responsorium), Hymnus und als Kernstück der Lobgesang des Zacharias (Lk 1. 68-79), danach folgen die Bitten, das Vaterunser und das Schlussgebet. Freitags wird zu Beginn Psalm 50 hinzugefügt.

Die Laudes werden in Himmerod mit einem Gesang zu Ehren der Gottesmutter beschlossen (Sub tuum praesidium confugimus… – Unter deinen Schutz und Schirm fliehen wir, heilige Gottesgebärerin).

Die nun folgenden drei, sogenannten kleinen Horen haben alle die gleiche Einteilung: drei Psalmen, Hymnus, Kurzlesung, Wechselgesang und Schlussgebete.

Terz

(lat. tertia, die dritte [Stunde])

Gebet zur dritten Stunde des Tages (nach röm. Tageseinteilung), etwa 9 Uhr (in Himmerod sonntags um 9.45 h, werktags am Ende der Hl. Messe). Gebet vor der Arbeit, Anrufung des Hl. Geistes.

Sext

(lat. sexta, die sechste [Stunde])

Gebet zur sechsten Stunde des Tages (nach röm. Tageseinteilung), um 12 Uhr. Gebet zum Mittag.

Non

(lat. nona, die neunte [Stunde])

Gebet zur neunten Stunde des Tages (nach röm. Tageseinteilung), etwa 15 Uhr (in Himmerod im Anschluss an das Mittagessen).– Gebet vor der nachmittäglichen Arbeit, Gedenken des Leidens und Todes Christi.

Vesper

(lat. vespera, abends, Abendzeit)

Der liturgische Abendgottesdienst ist einer der ältesten und wichtigsten Teile des Stundengebetes, es bezeichnet die Gebetszeit des Lichtanzündens. (lucenarium). Die Vesper als gemeinsames Abendgebet ist sicher älter als das christliche Mönchtum und hat ihren Ursprung im jüdischen Tempelgottesdienst, im Abendopfer (Ex 30,8). Die Vesper dankt für den endenden Tag und für die empfangenen Heilstaten Gottes.

Der Aufbau der Vesper ist ähnlich den Laudes, mit vier Psalmen, Hymnus, Magnificat (Lk 1, 46- 54) und Schlussgebeten. Die Vesper endet mit einem Gesang zu Ehren der Gottesmutter, der sogenannten marianischen Schlussantiphon, die je nach Festkreis im Jahresverlauf wechselt. An Sonn- und Feiertagen endet die Vesper in Himmerod mit dem eucharistischen Segen.

Komplet

(lat. completorium, erfüllen, vollenden)

Die letzte Gebetsstunde, das Gebet zur Nacht. Diese “Schlussfeier” geht auf monastischen Brauch zurück. Basilius der Große (*330, + 379) nennt sie bereits als gemeinsames Gebet. Die Psalmen der Komplet sind im Offizium nach der Benediktsregel immer gleich. Die Komplet beginnt mit dem Lesesegen und einer Kurzlesung (die nicht immer in der Kirche gehalten wird); nach der Einleitung folgen die Psalmen 4, 91(90) und 134(133). Dann folgt immer der gleiche Hymnus. Mit einem kurzen Kapitel (Jer 14,9), dem Vaterunser, den Schlussgebeten und dem “Salve Regina”, dem feierlichen Gruß an die Gottesmutter, schließt die Komplet. Zum Abschluss wird der “Angelus” (“Engel des Herrn”) in Stille mit Glockenzeichen gebetet.

Gebetszeiten

04:30 Uhr (04.15 Uhr an Festen, Sonn- und Feiertagen)
Vigilien,
 anschl. “Lectio”, persönliches Gebet
(montags eine Stunde später)

06:45 Uhr
Laudes
(montags 7.30 h)

ca. 07:15 Uhr (an Wochentagen, unmittelbar im Anschluss an die Laudes)
Konventamt und Terz
(montags 11.30 h)

09:45 Uhr
Terz
(an Sonn- und Feiertagen)

10:00 Uhr
Konventamt
(an Sonn- und Feiertagen)

12:00 Uhr
an Wochentagen: Angelus und Sext, Non im Anschluss an das Mittagessen
an Sonn- und Feiertagen: Angelus, Sext und Non

17:45 Uhr (Samstag, Sonn- und Feiertage: 17:00 Uhr)
Vesper

19:30 Uhr
Komplet

An Sonn- und Feiertagen beginnt das Offizium 15 Minuten früher, das Konventamt um 10:00 Uhr und die Vesper um 17:00 Uhr.
 Die Vesper ist auch samstags bereits um 17:00 Uhr.

Vigilien, Sext und Non finden immer im Oratorium statt, Laudes, Konventamt und Terz nur im Winter im Oratorium. Alle anderen Gottesdienste sind in der Abteikirche.