Predigtworte

Predigtworte von Abt Johannes zum 04. Fastensonntag p.a.A – 26.03.2017

Die Fastenzeit war in der alten Kirche der Endspurt der Taufvorbereitung. In der Osternacht wurden die Taufbewerber getauft – hier ist das ja dieses Jahr auch der Fall, dass es eine Taufe gibt, und das ist wunderbar für uns alle, wenn das möglich ist. Ja, und die letzten Wochen sollen also eine intensive Zeit der letzten Vorbereitung sein.

Die Lesungen der Fastensonntage sind da wichtige Wegbegleiter. Auch heute ging es zwar um die Heilung eines Blindgeborenen, aber eben auch um das Sakrament der Taufe. Und uns wird also erklärt, was bei der Taufe mit uns geschieht.

Die alte Kirche hat die Taufe „Erleuchtung“ genannt. Und genau das ist es ja, was mit einem Menschen geschieht, der blind geboren wurde, der also noch nie etwas gesehen hat, für den alles dunkel ist. Der junge Mann steigt in das Wasser des Teiches Schiloach und kommt sehend wieder raus. Die Taufe hat ihm also das Augenlicht geschenkt. Da sind ihm die Augen aufgegangen, jetzt hat er den Durchblick.

Natürlich geht es nicht um die organische Heilung, das ist ja nur vordergründig. Sondern da sind Menschen, die blind sind für das, was wichtig ist. Und andere kriegen den richtigen Durchblick. Die blinden Pharisäer begreifen es eben nicht und spekulieren über die Sabbatruhe und auch über die Person Jesu – und kriegen eben keinen Durchblick. Der junge Mann dagegen, der bisher nichts gesehen hat, belehrt die Schriftgelehrten über das, worauf es wirklich ankommt. Ja, er wagt es, die Religionsführer scharf anzugreifen und ihnen eben Blindheit und Taubheit vorzuwerfen. Da wundert es einen fast nicht, dass er dafür exkommuniziert wird – das lassen sich die mächtigen Herren nicht gefallen.

Das, worauf es ankommt, auch wirklich wahrzunehmen und zu sehen – darauf kommt es an. „Der Mensch sieht, was vor den Augen ist, der Herr aber sieht das Herz“ – so haben wir das Gotteswort an den Propheten Samuel gehört. Das, was wirklich zählt, ist auf der Innenseite, Dafür braucht es Glauben – und so findet der junge Mann, der sehen gelernt hat, auch zu Jesus Christus und folgt ihm nach. Und zeigt uns, wie das geht: sehen zu lernen.

fr. Johannes

© Abt Dr. Johannes G. Müller OCist